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08. februar 2006
"Aktionstag gegen Graffiti und Vandalismus der S-Bahn Berlin"
Einführung zur Präsentation auf dem S-Bahnhof Potsdamer Platz

 
 
 
 

Die Zur-Schau-Stellung von Graffiti, "zerkratzten Fenstern, aufgeschnittenen Sitzpolstern, verschmierten Wandverkleidungen" usw. stellte für das Graffitimuseum die Frage nach der Art und Weise der Präsentation von Graffiti unter der Perspektive von Schadenshöhe und Vandalismus. Der Ansatz, "eine öffentliche Diskussion über Vandalismusschäden anzustoßen" schien uns zu kurz gegriffen zu einer Zeit, wo andere Ausstellungen sich verstärkt der künstlerischen Ausdrucksform oder sogar einer neuen Kunstrichtung - wie Graffiti in Galerien und Kunstbüchern heute gerne vorgestellt wird - widmen. Die Schau im S-Bahnhof Potsdamer Platz übersprang die komplizierte Umwertung von Graffiti aus dem öffentlichen in den Kunstraum und präsentierte Graffiti in seinem natürlichen Umfeld auf dem S-Bahnzug im Bahnhof. Der Aktionstag versprach jedoch noch eine weitere Innovation, da die anonymen Werke in ihren Wertigkeit transparent gemacht wurden: "Jede Beschädigung wird mit Kostenangaben versehen sein – so lässt sich leicht zusammenrechnen, welche Schäden durch Graffiti und Vandalismus entstehen. Zugleich wird gezeigt, was man für das Geld zur Beseitigung der Schäden kaufen könnte."

Fokus der Einführung war die Ausstellung selbst, ihre Stärken und Schwächen in dem Versuch der Präsentation von Graffiti. Der Vergleich zu Kunstausstellungen, sowie die Frage nach dem tatsächlichen Wert von Graffiti (und den Werten, die es in seinem Auftreten in Frage stellt) wurde thematisiert sowie außerdem die Frage nach den Gemeinsamkeiten additiver und subtraktiver Eingriffe im öffentlichen Raum (z.B. Aufragen von Farbe und Aufreißen von Sitzbezügen) und ob es eine tatsächliche Basis dafür gibt, diese in einem Atemzug zu nennen und in einem S-Bahnzug gemeinsam zu präsentieren. Auch die allgemein verbreitete Klassifizierung von Graffiti in gut und böse bzw. "echtes Graffiti" und "bloße Schmiererei" wurden anhand der Exponate ebenfalls beleuchtet. Dem Graffitimuseum ging es dabei nicht um eine Diffamierung des Ausstellers, sondern vielmehr um eine ernsthafte Untersuchung des Phänomens Graffiti im Kontext einer Ausstellung.

 
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