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25. September - 26. September 2004
Graffitimuseum Berlin präsentiert
A.L.I.A.S.
Performance an der Volksbühne Berlin

 
 
 
 

Das Graffitimuseum Berlin präsentierte vom 25. September 15 Uhr - 26. September 15 Uhr 2004 in der Partisan Neustadt das Büro A.L.I.A.S. - Gesellschaft für Autorisierung von Graffitipseudonymen. Die Stadtbesucher waren eingeladen sich am A.L.I.A.S. -Stützpunkt einem persönlichen Namens-Profiling zu unterziehen. Ihren Vorlieben, Sehnsüchten und sonstigen Vorstellungen für ihr Doppelleben wurde in einem Gespräch auf den Grund gegangen. Dann wurden erprobte Techniken der Kombination, Verschlüsselung und Metaphorisierung benutzt, um den Klienten ein entsprechendes, individuelles Pseudonym zu erstellen. Die Beratungen dauerten zwischen 15 und 30 Minuten und waren in der Regel Einzelgespräche, wurden aber auch von Gruppen, Familien und einer Band in Anspruch genommen.

Bei den Beratungen wurden folgende Pseudonyme vergeben:

BORA, MISTRAL, KAT BLÅ, LLAMA, WETS, ZKANK, SNAPE, DZIGA, PIO, ISGUTT, TURMA, BLUE KORN, DON ROCINERO, ECO, BAZOOKA, S.A.S.S., VINETA, CUOIO, ROAM, CONK.


A.L.I.A.S. MANIFEST


Um im wogenden Häusermeer nicht unterzugehen, braucht der Großstadtmensch einen Decknamen, ein 'alias', einen 'tag', um sich eine Insel der Individualität zurück zu erkämpfen. Mit einem Pseudonym schlüpft er in die Rolle des Flaneurs und des Partisans, er ist bewaffnet mit Entdeckeraugen, Träumen und Sprühdosen: Ein Phantom das Spuren hinterläßt. Im Gewand eines selbst geschöpften Graffitihelden wird er die Stadt farbig markieren, subversiv (de-)territorialisieren und ihre triste Oberfläche zum Sprechen bringen.

Seit dem Aufkommen des American Graffiti überprüft unser Büro anonym Taggernamen und läßt sie registrieren. Gemeinsam mit den Kunden entwickeln wir phantasievolle und praxisnahe Identitäten, die das Initial für einen kreativen Umgang mit dem öffentlichen Raum geben und das 'getting up' erleichtern. Mit den, mit unserer Hilfe gefundenen Pseudonymen, bürgen wir für ein Erhörtwerden des Rufs nach Anerkennung und eine gerechte Chance auf 'fame'. Unsere Pseudonyme sind die Gefäße, aus denen ein kreatives "ich war hier", "ich lebe noch" oder "ich möchte gebraucht werden" ertönen kann. Unsere Namensgebung ist die Grundlage für eine materielle und lebendige Selbstvergewisserung auf den Mauern des Molochs aus Beton und Asphalt. Ein Pseudonym motiviert zum aktiven Rollenspiel mit sich selbst und der Gesellschaft. Das Verbreiten der neuen Identität ist das Ventil um kreative Energien auszuleben. Wir sehen die Autorisierung eines Sprühernamens ebenfalls als kulturelles Angebot für die Zeitgenossen aller Alphabetisierungsstufen. Besonders für Nicht-Sprüher kann Graffiti, sprich die Bekanntmachung einer individuellen Idee, zur ununterschätzbaren Bereicherung beim Überleben in der Stadt werden: Selbstverwirklichung, Stadtlektüre, frische Luft, Verbesserung der Handschrift und der Orientierung sind nur einige Effekte der Teilhabe am Club der Pseudonyminfizierten. Der angewandte "Aufstand der Zeichen" stellt nicht nur Verwirklichung unter der schützenden Maske eines Pseudonyms dar, sondern ist ebenso eine Lebens- und Lesehilfe in der von Schrift übersäten Gegenwart.

Die Datenbank der deutschlandweit benutzten Writernamen wird von uns verwaltet. So verhindern wir Doppelungen und schützen somit wirkungsvoll vor Konflikten.

Es berieten: Aioya Santiago, Je Spurloser und Claus Ivique.

 
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