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Das Graffitimuseum Berlin präsentierte
vom 25. September 15 Uhr - 26. September 15 Uhr 2004 in
der Partisan Neustadt das Büro A.L.I.A.S. - Gesellschaft
für Autorisierung von Graffitipseudonymen. Die Stadtbesucher
waren eingeladen sich am A.L.I.A.S. -Stützpunkt einem
persönlichen Namens-Profiling zu unterziehen. Ihren
Vorlieben, Sehnsüchten und sonstigen Vorstellungen
für ihr Doppelleben wurde in einem Gespräch auf
den Grund gegangen. Dann wurden erprobte Techniken der Kombination,
Verschlüsselung und Metaphorisierung benutzt, um den
Klienten ein entsprechendes, individuelles Pseudonym zu
erstellen. Die Beratungen dauerten zwischen 15 und 30 Minuten
und waren in der Regel Einzelgespräche, wurden aber
auch von Gruppen, Familien und einer Band in Anspruch genommen.
Bei den Beratungen wurden folgende Pseudonyme vergeben:
BORA, MISTRAL, KAT BLÅ, LLAMA, WETS, ZKANK, SNAPE,
DZIGA, PIO, ISGUTT, TURMA, BLUE KORN, DON ROCINERO, ECO,
BAZOOKA, S.A.S.S., VINETA, CUOIO, ROAM, CONK.
A.L.I.A.S. MANIFEST
Um im wogenden Häusermeer nicht unterzugehen, braucht
der Großstadtmensch einen Decknamen, ein 'alias',
einen 'tag', um sich eine Insel der Individualität
zurück zu erkämpfen. Mit einem Pseudonym schlüpft
er in die Rolle des Flaneurs und des Partisans, er ist bewaffnet
mit Entdeckeraugen, Träumen und Sprühdosen: Ein
Phantom das Spuren hinterläßt. Im Gewand eines
selbst geschöpften Graffitihelden wird er die Stadt
farbig markieren, subversiv (de-)territorialisieren und
ihre triste Oberfläche zum Sprechen bringen.
Seit dem Aufkommen des American Graffiti überprüft
unser Büro anonym Taggernamen und läßt sie
registrieren. Gemeinsam mit den Kunden entwickeln wir phantasievolle
und praxisnahe Identitäten, die das Initial für
einen kreativen Umgang mit dem öffentlichen Raum geben
und das 'getting up' erleichtern. Mit den, mit unserer Hilfe
gefundenen Pseudonymen, bürgen wir für ein Erhörtwerden
des Rufs nach Anerkennung und eine gerechte Chance auf 'fame'.
Unsere Pseudonyme sind die Gefäße, aus denen
ein kreatives "ich war hier", "ich lebe noch"
oder "ich möchte gebraucht werden" ertönen
kann. Unsere Namensgebung ist die Grundlage für eine
materielle und lebendige Selbstvergewisserung auf den Mauern
des Molochs aus Beton und Asphalt. Ein Pseudonym motiviert
zum aktiven Rollenspiel mit sich selbst und der Gesellschaft.
Das Verbreiten der neuen Identität ist das Ventil um
kreative Energien auszuleben. Wir sehen die Autorisierung
eines Sprühernamens ebenfalls als kulturelles Angebot
für die Zeitgenossen aller Alphabetisierungsstufen.
Besonders für Nicht-Sprüher kann Graffiti, sprich
die Bekanntmachung einer individuellen Idee, zur ununterschätzbaren
Bereicherung beim Überleben in der Stadt werden: Selbstverwirklichung,
Stadtlektüre, frische Luft, Verbesserung der Handschrift
und der Orientierung sind nur einige Effekte der Teilhabe
am Club der Pseudonyminfizierten. Der angewandte "Aufstand
der Zeichen" stellt nicht nur Verwirklichung unter
der schützenden Maske eines Pseudonyms dar, sondern
ist ebenso eine Lebens- und Lesehilfe in der von Schrift
übersäten Gegenwart.
Die Datenbank der deutschlandweit benutzten Writernamen
wird von uns verwaltet. So verhindern wir Doppelungen und
schützen somit wirkungsvoll vor Konflikten.
Es berieten: Aioya Santiago, Je Spurloser
und Claus Ivique.
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