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27. Februar 2006
The Battle of Graffoti
Performancespiel im Schwarzen Meese-Foyer der Volksbühne Berlin

 
 
 
 

Als Methode zur Rekonstruktion der Zusammenhänge im Gesamttext Graffiti drängt sich dem Leser die unbefriedigende Möglichkeit des positivistischen Sammelns (z.B. Einlesen durch Fotografieren) auf. Auch das Graffitimuseum konnte dieser Methode des Anhäufens nicht entgehen und stieß dabei an die natürlichen Grenzen der Darstellbarkeit lebendiger Phänomene: Graffoti (Fotografierte Graffiti) sind aus ihrem Lebensraum herausgeschnitten, sie sind tot, konserviert wie ein aufgespießter Schmetterling. Eingesperrt in Blackbooks und andere Archive mögen sie uns als Erinnerungskrücke dienen, und auf vergangene, oft lang verhallte oder verblichene Worte verweisen, und doch ist die unüberhörbare Stimme mit der die Graffiti in den Lärm der Großstadt flüstern, klagen oder lachen auf dem Foto verstummt, übertönt von der rechteckigen, immer nur subjektiven Bildsprache des Fotografen. So ist die Zurschaustellung von Graffoti immer nur eine Ausstellung von Fotos, auf denen Graffiti zu sehen, nicht aber zu spüren sind. Das Graffitimuseum bleibt wieder einmal auf der Strasse.

Im Theater jedoch können die Graffoti die Möglichkeit bieten, als Larven probiert zu werden. Schlüpft jemand in ihre toten Hüllen, um ihnen seine Stimme und die Sprache seines Körpers zu leihen, kann Graffiti auf der Bühne wiedergeboren werden. Das Battle of Graffoti stellt den Versuch dar, aus Graffoti wieder Graffiti zu machen, so dass dieses im Streit um die bessere Aufführung quicklebendig und anwesend wird.

Versuchsaufbau
Auf zwei Leinwände werden im Abstand von je einer Sekunde Graffoti projiziert. Da es hierbei zu Überlagerungen kommt, sind pro Sekunde oft drei, mindestens aber zwei Graffoti sichtbar. Unterlegt mit treibender Musik soll uns diese Anordnung als Simulation einer S-Bahnfahrt entlang einer schwer beschriebenen Bildstrecke fungieren. Die Teilnehmer und Zuschauer des Battles sind die Fahrgäste, die in zwei Gruppen (linke Fensterseite, rechte Fensterseite) unterteilt sind. Als weitere Verdeutlichung des Sinnbildes eines fahrenden Zuges dient die Notbremse, die an zentraler Stelle im Bühnenraum positioniert ist. Wird sie von einem oder mehreren Mitgliedern beider Gruppen betätigt, so hält der Zug (also in unserem Fall der Bilderfluss und die Musik) und zwei Graffoti verharren als Standbilder auf den Leinwänden. Nun beginnt das Battle:

Die zum Spiel angetreten Darsteller haben zwei Minuten Vorbereitungszeit, um sich mit dem Graffoti, welches sie repräsentieren, vertraut zu machen. Die nun folgende Präsentationszeit beläuft sich auf sechzig Sekunden. Danach bekommen der oder die Darsteller der anderen Mannschaft ebenfalls sechzig Sekunden lang die Gelegenheit, ihr Graffoti zu reanimieren. Die Form der Darstellung ist frei wählbar. Graffiti kann gelesen, gesungen, getanzt, gespielt oder auf eine ganz andere Lesart vorgetragen werden. Wichtig ist, dass die Darsteller sich darüber bewusst sind, dass sie das konkrete Wort (was auf dem Bild lesbar ist) und nicht etwa die vermuteten Absichten oder Motivationen seines Autoren zur Sprache bringen.

Die Eindringlichkeit und Lebendigkeit der Darstellung wir im Anschluss von einer Jury aus drei Experten beurteilt und benotet. Nun kann der Zug weiterfahren.

 

Idee/Konzeption: Graffitimuseum Berlin
Moderation: Peter Ziehm
Jury: Heiki Ikkula (Dozentin für Animation an der Abt. Puppenspiel der Schauspielschule Ernst Busch), Stella Konstantinouv (Performancekünstlerin, Volksbühne Berlin), Jo Irrläufer (Graffitimuseum Berlin)
Einführung: Nalk Ivique (Graffitimuseum Berlin)
Technische Leitung: Leo Ink (Graffitimuseum Berlin)
Mit freundlicher Unterstützung von www.farbsucht.de und www.overkill.de.

 
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