| Ein Angebot für Zeit-genossen
aller Alpha-betisierungsstufen
Manifest |
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Das Graffitimuseum lebt vom Paradox
kein Museum sein zu können: Sobald Graffiti,
mit Fotoapparaten gebannt oder auf Leinwänden
ausgestellt wird, verliert es seinen natürlichen
Kontext und verändert dadurch sein Wesen. Deshalb
muß ein Graffitimuseum mehr sein als eine bloße
Sammlung von Bildern und Abbildern, es kann nur als
lebendiger Verweis auf Graffiti in der Stadt - die
dadurch gleichsam selbst als Ganzes zur Freiluftausstellung
wird - verstanden werden. Seit dem Jahr 2001 erprobt
das Graffitimuseum verschiedene künstlerische
Strategien und wissenschaftliche Annäherungen,
um essentielle Erfahrungen mit Graffiti zu ermöglichen
und seine Erscheinungen experimentell zu umspielen.
In ungewöhnlichen Zugängen und Lesarten
des komplexen und sich ständig wandelnden Textes
im urbanen Raum wird zugleich die museale Erfaßbarkeit
des lebendigen Phänomens und die Möglichkeiten
der Institution Museum überhaupt kritisch hinterfragt:
Kann das Verständnis von Speichern und Sammeln,
Auswählen und Ausstellen eines Volkskundemuseums
des 19. Jahrhunderts noch die unfügsamen und
ephemeren Phänomene unserer zeitgenössischen
Kultur konservieren und präsentieren?
Das Graffitimuseum muß sich in seinen Aktionen
ständig neu erfinden. Es sucht, jeweils dem gesetzten
Schwerpunkt entsprechend, nach Formen der Präsentation
zwischen Kunst und Theater, Lehrstuhl und Lebensberatung.
Das oft spielerische und interaktive Angebot reicht
von Salonabenden bis Flanierstunden, von Vorträgen
bis zu synästhetischen Experimenten, welche den
Blick auf das Phänomen pluralisieren und es in
seinen Entfaltungen abtasten. Nicht zuletzt soll Graffiti
auch als Allegorie für gesellschaftliche Prozesse
betrachtet und produktiv gemacht werden. So gibt das
Graffiti-museum Impulse für individuelle, künstlerische,
wie wissenschaftliche Graffitierfahrungen und öffnet
Graffiti als ein kulturelles Angebot für die
Zeitgenossen aller Alphabetisierungsstufen.
Das Graffitimuseum wurde 2001 von Nalk Ivique, Jo
Irrläufer und Aljoscha Igrich gegründet.
Neben der ständigen technischen Unterstützung
durch Leo Ink und Majoaq Ilanti, ist das Graffitimuseum
als offene und inter-disziplinäre Einrichtung
auf Zusammenarbeiten unterschiedlichster Art angewiesen:
Die Aktionen der letzten Jahre wurden ebenso von plastischen
Künstlern wie Kunsthistorikern, Filmregisseuren
wie Sprachtheoretikern, sowie Dramaturgen und Pädagogen
unterstützt, unter ihnen Finn Gatsby, Frank Lämmer,
Franziska Kleinert, Peter Ziehm, Jochen Menzel, Adrian
Nabi, Daniel Mecklenburg und Sebastian Mauksch. Darüber
hinaus fanden Zusammenarbeiten mit den Schauspielgruppen
“Inner Circle” und “Pappen-heimer”
sowie dem Jugendtheater der Volksbühne “P
14” und dem Jazzstylecorner e.V. statt. Als
Einrichtung ohne festen Sitz ist das Graffitimuseum
auf die Bühnen anderer Institutionen angewiesen,
die “Volksbühne Berlin”, das “Künstler-haus
Bethanien”, die Schauspielschule “Ernst
Busch” und das unabhängige Filmfest “Rhythm
of the Line” gaben in Berlin ebenso Obdach wie
das “Thalia Theater” in Halle oder die
“Facultad de arcitectura, diseño y urbanismo”
und das “Instituto de Arte Luis Ordaz”
in Buenos Aires. |